Multimediales Schulgeschichtsbuch zu Neustadt an der Weinstraße im Nationalsozialismus

Multimediales Schulgeschichtsbuch zu Neustadt an der Weinstraße im Nationalsozialismus


Im Dezember 2020 wurde das multimediale Schulgeschichtsbuch, das am Arbeitsbereich für Geschichtsdidaktik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einem Verbundprojekt mit dem Arbeitsbereich Zeitgeschichte entstanden ist, präsentiert. Es ist online als OER (Open Educational Ressource) über die Webpräsenz https://neustadt-und-nationalsozialismus.uni-mainz.de zugänglich.

Ziel des Gesamtforschungsprojektes stellt die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Geschichte Neustadts a.d.W. unter Beachtung des Volksgemeinschaft-Konzepts dar. Neben dem Schulgeschichtsbuch finden sich auf der Website auch ein Online-Lexikon, ein Zeitzeug*innenarchiv sowie die Dokumentation einer bis Ende Januar 2021 in der Villa Böhm (Neustadt a.d.W.) gezeigten Ausstellung.

Das Schulgeschichtsbuch basiert auf den Ergebnissen eines umfassenden Forschungsbandes, in dem unter der Herausgeberschaft von Markus Raasch (Mainz) ganz verschiedene Schlaglichter auf die Frage nach der Volksgemeinschaft in und um Neustadt a.d.W. geworfen werden. Diese Ergebnisse und das didaktische Potential des Volksgemeinschafts-Konzepts wurden anhand regionalgeschichtlicher Fragestellungen rund um die ehemalige „Gauhauptstadt“ für den Schulunterricht fruchtbar gemacht.

Inhaltlich wird dabei ein weitreichender Zeitraum abgedeckt. Ausgehend von den Entwicklungen zur Zeit der Weimarer Republik wird abschließend auch die Geschichte nach 1945 in einem erinnerungskulturellen Längsschnitt in den Blick genommen. Über problemorientierte Fragestellungen finden dabei auch in Lehrwerken bisher noch wenig repräsentierte Themenfelder Beachtung, so zum Beispiel Geschlechterbeziehungen, die Bedeutung von Festen und Feiern oder die Verfolgung Homosexueller sowie sogenannter „Asozialer“ im Nationalsozialismus.

Über eine Vielfalt multimedialer Quellen und Darstellungen ermöglicht das Schulgeschichtsbuch eine interaktive Auseinandersetzung mit dem Lernstoff. Im Mittelpunkt steht dabei das stetige Hinterfragen der Gattungsspezifika und des Konstruktcharakters der dargebotenen Geschichtsdarstellungen. Ferner wird auf die Unterstützung selbstständiger Schüler*innenprojekte – in Bezug auf Idee, Scaffolding und Materialgrundlage – viel Wert gelegt.

Multiplikator*innen der historisch-politischen Bildung und interessierten Schüler*innen aus Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern soll somit Zugang zu innovativem, didaktischem Material ermöglicht werden, das eine problemorientierte und gegenwartsbezogene Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus vor Ort fördert.

Clara-Louise Noffke und Katharina Kaiser (Der Text erschien als Meldung in der März-Ausgabe der gfh)

Beispiel einer Videocollage (Am Strohmarkt; Neustadt a.d.W.) aus dem multimedialen Schulgeschichtsbuch
(Medienbaustein „An Orten lernen“)
Bild: Stadtarchiv Neustadt a.d.W.