„Football makes History“- Fußball macht Geschichte

„Football makes History“- Fußball macht Geschichte

Der folgende Artikel erschien in der Ausgabe 2/2021 der gfh.
Autor: Dr. Martin Liepach

„Football makes History“- Fußball macht Geschichte

Das Wort „historisch“ wird gerne benutzt, auch von Sportjournalisten. Schnell fiel dieses Wort bei 0:6 Niederlage der deutschen Nationalmannschaft im November 2020 gegen Spanien, die erste Niederlage in dieser Größenordnung seit 90 Jahren. 1930 verlor das deutsche Team gegen die österreichische „Wundermannschaft“ zuletzt in dieser Höhe. Gecoacht wurde das österreichische Team von Hugo Meisl. Er zählt nicht nur nach einer FIFA-Umfrage aus dem Jahr 2004 zu den zehn bedeutendsten Trainern in der Geschichte des Fußballs, sondern war als Fußballpionier der Begründer des Mitteleuropa-Cups (Mitropa), dem Vorläufer der Champions League. Seine und viele andere Geschichten sind auf der von der European Association of History Educators (EuroClio) mitgetragenen Website „Football makes History“ nachzulesen. Das Projekt bringt unterschiedliche Gruppen aus Europa zusammen, um neue, innovative pädagogische Materialien zu entwickeln, die die Europäische Geschichte und das kulturelle Erbe mittels Fußball und seiner Geschichten erschließen.

Website

Das Herzstück des Projekts ist die Website http://www.footballmakeshistory.eu/. Neben Videos, Buchsbesprechungen, Projektinformationen und Educational Resources gibt es dort „Life Stories“, Kurzbiographien, die alle einem vom englischen Kollegen Chris Rowe entwickelten Prinzip folgen: eine kurze biographische Notiz, danach eine kurze inhaltliche didaktische Überlegung und Anregungen für den Unterricht (Legacy bzw. Thinking Points) sowie Verlinkung zu weiteren Informationen. Die Auswahl der Personen stellt nicht etwa eineHall of Fame des Fußballs dar, sondern wurde nach anderen Gesichtspunkten vorgenommen: Migration, Politik, Identität und Diversität. Die auf 100 Personen angelegte Rubrik reicht von Nettie Honeyball, der englischen Frauenfußballpionierin über Lotte Specht, der Gründerin desersten deutschen Frauenfußballvereins bis hin zu Megan Rapinoe. Neben prominenten Persönlichkeiten wir Zidane und Maradona, sind weniger bekannte, aber nicht weniger interessante Kurzbiografien zu finden, wie die von Hans Lorenzen, der das Fußballspiel für Blinde erfand. Jörg Berger steht für exemplarisch für ein deutsch-deutsches Schicksal. Nebeneiner Anzahl deutscher Biografien, ist die Zusammenstellung im besten Sinne europäisch, wasnicht zuletzt daran liegt, dass in dem Projekt zeitweilig 40 Personen aus 20 europäischen Ländern mitarbeiteten.

Historiana

Im Rahmen des Projekts wurden durchgeplante Stundenkonzepte (Learning Activities) entwickelt. Diese umfassen Quellenmaterialien, Beschreibung der Lernkompetenzen und Altersgruppe und weiterführende Hintergrundinformation für Lehrkräfte. Die barrierefrei herunterladbaren Unterrichtsmaterialien sind nunmehr Teil des Historiana-Portals, eines permanent in Weiterentwicklung befindlichen digitalen Europäischen Geschichtsbuches von EuroClio, und können mit dem Suchbegriff „Football“ schnell gefunden werden: https://historiana.eu/teaching-learning. Das Themenspektrum reicht von Fußball und Migration bis zu den Fragen, was ein Clubabzeichen über Geschichte und Selbstverständnis eines Vereins oder der spanische „El Classico“ zwischen Real Madrid und FC Barcelona über die spanische Geschichte verraten. Die Zugänge sind so gewählt, dass man für den Einsatz der Materialien kein Fußball-Nerd sein muss. In der Einheit „The European Championships: Euro 2016 at different times“ geht es um Frage, wie Nationalismus und Kriege die europäischen Grenzen verändert haben. Ausgehend von den 24 Ländern, die an der Euro 2016 teilnahmen, vergleichen die Schülerinnen und Schüler Geschichtskarten zu verschiedenen Zeitpunkten (z.B. 1871) und überlegen, welche Länder hätten früher an der Euro nicht teilnehmen können und wie dann die Zusammensetzung der Teams ausgesehen hätte. So hätte 1878 Lewandowski beispielsweise für Russland gespielt.

Twitter

Unter dem Hashtag #Onthisday gibt es täglich kurze Geschichten rund um den Fußball. So war im Dezember der Internationale Tag der Menschen (3. Dezember) mit Behinderung Anlass den 1871 gegründeten ‚Glasgow Deaf and Dumb Football Club‘ vorzustellen und auf Hector Castro, den einarmigen Nationalspieler und ersten Torschützen Uruguays bei der Weltmeisterschaft 1930 hinzuweisen. Der Account https://twitter.com/makesfootball hat mittlerweile mehr als 1000 Follower. Der Hashtag wird als öffentlichkeitswirksame Kampagne bis zum Start der verschobenen Europameisterschaft 2021 fortgesetzt.Das Projekt richtet sich sowohl an die schulische als auch nichtschulische Bildung und soll dazu beitragen, gemeinsame Werte, Gleichheit, Anti-Diskriminierung, Diversität und Inklusion zu fördern, und ist ein einzigartiges europäisches Zusammenspiel von EuroClio, Fußballverbänden, Fußballmuseen, dem Anne Frank Haus und Fare Network, einem Netzwerk, das aus Fangruppen, Menschenrechtsorganisationen und Breitensportvereinen besteht.


überlegen, welche Länder hätten früher an der Euro nicht teilnehmen können und wie dann die Zusammensetzung der Teams ausgesehen hätte. So hätte 1878 Lewandowski beispielsweise für Russland gespielt.TwittterUnter dem Hashtag #Onthisday gibt es täglich kurze Geschichten rund um den Fußball. So war im Dezember der Internationale Tag der Menschen (3. Dezember) mit Behinderung Anlass den 1871 gegründeten ‚Glasgow Deaf and Dumb Football Club‘ vorzustellen und auf Hector Castro, den einarmigen Nationalspieler und ersten Torschützen Uruguays bei der Weltmeisterschaft 1930 hinzuweisen.Der Account https://twitter.com/makesfootball hat mittlerweile mehr als 1000 Follower. Der Hashtag wird als öffentlichkeitswirksame Kampagne bis zum Start der verschobenen Europameisterschaft 2021 fortgesetzt.Das Projekt richtet sich sowohl an die schulische als auch nichtschulische Bildung und soll dazu beitragen, gemeinsame Werte, Gleichheit, Anti-Diskriminierung, Diversität und Inklusion zu fördern, und ist ein einzigartiges europäisches Zusammenspiel von EuroClio, Fußballverbänden, Fußballmuseen, dem Anne Frank Haus und Fare Network, einem Netzwerk, das aus Fangruppen, Menschenrechtsorganisationen und Breitensportvereinen besteht. Martin Liepach