Geschichte im Theater – Aktuelle Hinweise

Geschichte im Theater – Aktuelle Hinweise

Im Zuge der Wiederaufnahme der Spielzeiten zeigen zahlreiche Theater in und um Rheinland-Pfalz auch Stücke mit historischen Bezügen. Anbei eine kleine Auswahl:


Liberté, wir kommen!

4. Juni – 29. August; Bad Bergzabern und Tournee in der Pfalz

Im November 1792 richten Bergzaberner Bürger an den Nationalkonvent in Paris den Antrag auf Aufnahme in die Französische Republik. Ermuntert durch den Wagemut freiheitsbegeisterter Bürger*innen beginnen erste demokratische Gehversuche. Nach einer längst vergangenen, wahren Begebenheit in der Südpfalz – ansteckend für alle Demokrat*innen dieser Welt, heute und in Zukunft.
(Text: Chawerusch Theater)


Westwall

12. Juni – 13. Juli 2021; Staatstheater Mainz

Der Westwall ist das größte Flächendenkmal das von der NS-Diktatur übergeblieben ist. Er zieht sich von der Schweiz an der Grenze entlang bis zu den Niederlanden. 630 Kilometer. 18.000 Bunker, Panzersperren und Gräben prägen noch heute die Landschaft. Ortschaften wurden durch ihn zerschnitten und zerstört. Bis zu 500.000 Menschen haben an ihm gearbeitet, viele nicht freiwillig. Eine Befestigungsanlage, die von der Propaganda zu einer Verteidigungslinie deklariert wurde, aber in Wahrheit immer ein Instrument des Krieges war und zur Verlängerung des Leides beigetragen hat. Was können uns diese monumentalen Hinterlassenschaften heute noch erzählen? Wie kann aus diesem Beton ein Mahnmal werden, dass uns immer wieder vor Augen führt, dass solch ein Wahnsinn nicht wieder passiert darf?
(Text: Staatstheater Mainz)

Anbei auch der Hinweis auf eine umfangreiche Publikation zum Westwall, die von der LPB RLP zum Download angeboten wird:
Schmachtenberg, Werner: Der Westwall in Rheinland-Pfalz – Studien zur historisch-politischen Bildung, Bd. 1 (Entstehung, Bauten, Wirkung, Relikte. Die Geschichte des Westwalls im Überblick). Mainz, 2019 (2. Auflage).


Frieden, Liebe und Freiheit

30. Juni – 02. Juli 2021; Staatstheater Mainz

Am Rande der Verhandlungen über den Vertrag von Versailles treffen sich drei Personen in einer Hotellobby in Paris. Der große Krieg ist vorbei, die Stimmung ist ausgelassen. Der junge, brillante Ökonom John Maynard Keynes – offen bisexuell zu einer Zeit, als das noch strafbar war – ist einer der Unterhändler. Eines nachts verfällt er dem Charme von Lydia Lopokova, einer Ballerina der Ballets Russes, die im selben Hotel übernachtet. Sie hält einen Mann im Hotel für einen Diener. Es stellt sich jedoch heraus, dass es sich um Charles D.B. King handelt, Gesandter Liberias, dem einzigen freien afrikanischen Land. King ist der einzige schwarze Verhandlungsführer auf dem Kongress. Ein Gespräch über Frieden, Liebe und Freiheit entfaltet sich.
(Text: Staatstheater Mainz)


Bürckel! – Frau Gauleiter steht ihren Mann

11. Juni – 12. Juli 2021; Pfalztheater Kaiserlautern

Der pfälzische Gauleiter Josef Bürckel war einer der mächtigsten Funktionäre des Nationalsozialismus. 1895 geboren, nahm Bürckel am Ersten Weltkrieg als Freiwilliger teil. 1921 trat er der NSDAP bei. Er war ab 1926 Gauleiter der „Saarpfalz“. Hitler, mit dem er immer in direktem Kontakt stand und dem er bedingungslos ergeben war, ernannte ihn zum „Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Reich“. 1939 und 1940 war er Gauleiter in Wien, in dieser Funktion organisierte er ab 1939 zusammen mit Adolf Eichmann die Massendeportationen der Wiener Juden.
1940 war Bürckel maßgeblich verantwortlich für die Deportation von 6.538 Juden aus Baden und der Saarpfalz ins französische Internierungslager Gurs. Von dort wurden zahlreiche Häftlinge nach Auschwitz gebracht. (…) Anlässlich des 80. Jahrestages der Deportation der Pfälzer Juden nach Gurs schreibt Peter Roos nun ein Stück, in dem die schillernde Figur Josef Bürckel mit all ihren Facetten im Mittelpunkt steht. Grundlage der theatralischen Handlung um Josef Bürckel sind dabei die jahrelangen Recherchen des Autors zum Fall Bürckel, unter anderem die 557 Blatt umfassende Akte seiner Frau Hilde von 1949.
(Text: Pfalztheater Kaiserslautern)


Die Küste Utopias

24. Juni – 02. Juli 2021; Staatstheater Wiesbaden

»Die Küste Utopias« (2002 am Royal National Theatre in London uraufgeführt) des britischen Autors Tom Stoppard (geboren 1937) ist eine Trilogie aus den Stücken »Aufbruch«»Schiffbruch« und »Bergung«. Sie beschreiben den Zeitraum von 1833 bis 1868 in Russland und Westeuropa und die zu dieser Zeit entstandene erste Generation der sozialistischen Bewegung. Aus Protest gegen den autoritären Staat des Zaren Nikolaus I. beschließen Michail Bakunin, einer der Begründer des Anarchismus, und der Revolutionär Alexander Herzen, nach Europa ins Exil zu gehen und sich dort mit anderen Aktivisten und Revolutionären zu verbinden und die Geschichte voranzutreiben. Es beginnt eine auch philosophische Reise, die zu einer Utopie führen soll, die für jeden Menschen als Individuum sowie für die gesamte Menschheit eine bessere Welt möglich machen soll. Doch die meisten Hauptfiguren scheitern daran, dass sie ihre eigene Biografie nicht mit ihren utopischen Vorstellungen zusammenbringen können. Die renommierte Regisseurin und stellvertretende Intendantin des Neuen Theaters Halle Henriette Hörnigk wird die drei Teile inszenieren. Im Rahmen der Internationalen Maifestspiele 2021 werden die Teile dann zusammengeführt und zur Gesamtaufführung gebracht. Die Besetzung der über 80 Rollen wird mit einem Ensemble von 18 Schauspieler*innen bewerkstelligt.
(Text: Staatstheater Wiesbaden)